Es erscheint demnächst einen Bildband über die Werke von Nina Danyleiko


zusammen mit Texten und Lebensweisheiten
von denen hier schon einige vorab zu lesen sind

Die Vögel


Zu den beliebtesten Wesen im künstlerischen Werk von Nina Jatsenko-Danyleiko gehören die Vögel. Sie finden sich überall in ihren Arbeiten und bilden zusammen mit Blättern, Blumen und Bäumen harmonisch gestaltete, künstlerische Formen. Bei Nina sind sie mal schwer und robust, mal beweglich und lebendig, mal graziös, raffiniert und niedlich. (Wolodymir Danyleiko)




Der Ofen


Der Ofen ist im ukrainischen Sprachgebrauch weiblich. Er gehörte zum Allerheiligsten im alten ukrainischen Haus. Er spendete Wärme und ernährte die Familie wie eine Mutter. Auf dem Ofen haben die Alten und Kinder geschlafen und er diente zur Heilung. Wenn man auf ihm Getreide trocknete, und mit der Decke zugedeckt darauf schlief, dann nahm er die Krankheit. Die junge Frau stand neben dem Ofen, wenn sie den Heiratsantrag bekam; sie fühlte sich dadurch geschützt und sicher, und wenn ein Kind auf die Welt kam, wurde seine Nabelschnur unter dem Ofen vergraben. Man hat dem Ofen Loblieder gesungen, sich vor ihm verneigt und ihm gedankt.
Die Öfen waren freundlich, weiß gekalkt, bunt bemalt oder mit aufwendigen Scherenschnitten versehen. In manchen Regionen wurden sie mit wunderschönen Kacheln verziert. Als aber das sowjetische Regime an die Macht kam, wurde das Leben farblos und die Menschen zogen sich zurück. Die Öfen wurden nicht mehr verziert und bemalt, sie wurden nicht mehr verehrt und ihre sakrale Bedeutung ging verloren.




Nina: der weiße Ofen


Als Kind habe ich zu Hause immer wieder unseren weiß getünchten Ofen angeschaut. Er hatte so eine anziehende Wirkung auf mich und oft hatte ich den Wunsch, ihn anzumalen. Eines Tages, als die Eltern wieder einmal in die Stadt gefahren waren, habe ich es getan. "Schlagen werden sie mich nicht", dachte ich. Egal welche Folgen, ich musste ihn bemalen. Aber womit? Farben gab es nicht. Also habe ich Ton mit Pferdemist und Ruß genommen und meinen Gefühlen freien Lauf gelassen. So! und so! und so! Als die Eltern zurückkamen, konnte man das Haus nicht wieder erkennen: der Ofen hatte das ganze Haus verändert - auf ihm wuchsen Blumen, die Knospen trieben und auf den Knospen saßen singende Vögel mit Sonnenkrönchen... die Eltern standen starr und steif:" Ninko, was hast Du denn gemacht?! -Gemalt...damit es schön wird."




Nina über die Vögel

Dort, wo die Vögel zu zweit sind, da sind es Mann und Frau. Sie neigen sich verliebt zueinander: Hals an Hals. Und über ihren erhobenen Schnäbeln ist entweder das Hochzeitsbrot, das nährt, oder die Sonne, die das Leben gibt und segnet. Und aus dem gemeinsamen Hochzeitsbrot kommen kleine Vögelchen, ihre Kinder. Erst sind es nur neun. Die anderen drei kommen später. Dann sind es zwölf, wie die zwölf Monate. Und der Kreislauf ist vollendet.





Die Welt als Einheit

"Als ich ein junges Mädchen war, streifte ich mit meinen Dorfkameraden bis Mitternacht abenteuerlustig durch die umliegenden Wälder und Felder. Aber schon in der Morgendämmerung weckte mich meine Mutter, um unsere Kuh auf die Weide zum Grasen zu bringen. Noch im Halbschlaf rappelte ich mich auf und schleppte mich barfuß durch den kalten Morgentau. Sobald wir angekommen waren und die Kuh ihren Platz zum Weiden gefunden hatte, fiel ich vor Müdigkeit in die Wiese, doch ein Auge hielt ich offen, um einen Blick auf meine Kuh zu haben
Plötzlich verwandelten sich die Tautropfen auf den Grashalmen in tausend kleine, funkenstrahlende Sonnen. Es war ein einzigartiges Farbspektakel, aus lebendigem buntem Schimmer in allen vorstellbaren Farbtönen und Schattierungen.
Meine Müdigkeit war völlig verflogen. Meine Augen konnten sich nicht losreißen. Wie wunderschön! So ein Kleidchen hätte ich gerne... oder alles das aufzumalen, das hätte ich mir gewünscht."

" Wenn meine Kuh dieses glitzernde Gras frisst", dachte ich mir, " dann muss sie auch diese Farben in sich haben. Und genauso die Milch, die wir trinken. Und dann leben diese Farben in den Menschen." Wahrscheinlich habe ich damals zum ersten Mal über die Welt als Einheit nachgedacht und das später im Symbol des Lebensbaums ausgedrückt.





Mit der Großmutter auf dem Ofen

Wenn die Feldarbeiten zu Ende waren und die Welt sich unter der weißen Schneedecke ausruhte, lagen wir mit Oma hinter dem warmen Ofen, während sie uns Geschichten erzählte. Eine handelte von einem mystischen Fisch, namens Vyz. Aus ihm kommt das Leben und er hütet den Baum des Lebens. Er steht vor dem Ursprung des Ganzen und verbirgt das Geheimnis unseres Daseins.





Das Klavier

Ich wollte so gerne Klavier spielen. Aber das Klavier war damals so teuer wie unsere Kuh.
"Ninko, wenn wir unsere Kuh verkaufen, was werden wir dann essen? Von der Musik allein werden wir doch nicht satt."
Später stand ich als Mutter von 6 Kindern vor derselben Entscheidung. Musik oder Essen?
So sind wir Vegetarier geworden.